Unser erster Brautag

Nach Käse, Wurst und Brot(*) wollten wir auch endlich mal Bier selber machen. Ende letzten Jahres war es dann soweit, nach einigen Wochen Vorbereitung haben wir uns an unser bisher größtes Experiment gewagt – eigenes Bier brauen.

(*) Da bin ich euch noch einige spannende Blog Posts schuldig!

Das hier ist sicher keine vollständige Anleitung, davon gibt es viele sehr gute im Internet (ein paar Links unten). Ich möchte euch hier nur ein bisschen von unseren Erfahrungen berichten und vielleicht auf den Geschmack bringen selber Bier zu brauen.

Begriffserklärungen

  • Maische: geschrotetes Malz, das mit heißem Wasser vermischt wurde
  • Treber: Malzrückstände
  • Würze: Flüßigkeit, die beim Maischvorgang entsteht

Die Vorbereitungsphase

Da Hobbybrauen aktuell recht beliebt ist, findet man zum Glück viele Anleitungen und Zubehört im Internet. Eine vollständige, zusammenhängende Anleitung, die vollkommen logisch erschien, haben wir aber nicht gefunden, und deshalb haben wir dann mehrere Anleitungen und Rezepte kombiniert.

Zuerst muss man sich einiges an Zubehör, Reinigern und leeren Flaschen besorgen. Hier eine (halbwegs) vollständige Liste der Dinge, die wir verwendet haben:

  • Gärfass
  • Läutersieb (in unserem Fall ein Plastikkübel mit kleinen Löchern)
  • OXI Reiniger (Spezialreiniger)
  • Schöpflöffel
  • Kronkorken + Kronkorkenzange
  • Thermometer
  • Würzespindel
  • Küchenwaage
  • Messbecher
  • Kochlöffel
  • Punschkocher
  • Drahtwaschl
Das Zubehör und die Zutaten für unseren ersten Brauversuch.

Einige Tage vorm Brautag haben wir das ganze Zubehör und die leeren Flaschen ordentlich gereinigt.

Am Brautag selber (vielleicht etwas knapp, aber besser spät als nie), haben wir uns alle Schritte sorgfältig zusammen geschrieben. Wenn man sich strikt an eine Anleitung hält ist das nicht notwendig, aber da wir mehrere Anleitungen verwendet haben und aufgrund von etwas abweichendem Zubehör nicht alles exakt gleich machen konnten, war das sehr hilfreich um später nicht den Überblick zu verlieren. Die Brauanleitung von besserbrauer.de fand ich recht übersichtlich strukturiert, weshalb wir unseren “Plan” darauf basierend erstellt haben. Im Wesentlichen sind 5 Schritte durchzuführen:

  • Maischen (am Brautag)
  • Läutern (am Brautag)
  • Hopfenkochen (am Brautag)
  • Gärung (ca. 2-3 Wochen)
  • Flaschenreifung (ca. 2-3 Wochen)

Zusätzlich haben wir uns für jeden Schritt das benötigte Zubehör aufgeschrieben, damit wir es rechtzeitig wieder reinigen können um die Wartezeiten sinnvoll zu nützen.

Weiters mussten wir am Brautag noch ein Läutersieb basteln, da wir bis dahin noch keine wirklich brauchbare Lösung gefunden hatten. Dafür haben wir einen Plastikkübel gekauft und viele 1,5 mm große Löcher rein gebohrt.

Das Rezept

Für unseren ersten Versuch wollten wir nicht zu viel experimentieren und haben uns deshalb ein erprobtes Rezept aus dem Internet gesucht: Märzenbier 20 Liter. Der Vorteil an diesem Rezept war auch, dass es die Zutaten in den richtigen Mengen zu bestellen gab.

Der Brautag

Am Brautag erfolgen die ersten 3 Schritte (Maischen, Läutern, Hopfenkochen) und die Hefezugabe um den 4. Schritt, die Gärung, einzuleiten.

Maischen

Dauer: ca. 90 Minuten

Zubehör:

  • Punschkocher
  • Messbecher
  • Kochlöffel

Im ersten Schritt werden 14 Liter Wasser auf 70-72°C erhitzt (das nennt sich “Vorguss”). Der Punschkocher hält die Temperatur recht gut, allerdings sollte man mit einem externen Thermometer messen, da das Thermometer vom Punschkocher nicht sehr genau ist. Wenn die Temperatur erreicht ist, wird das Malz hineingegeben (dabei sinkt die Temperatur etwas), und klumpenfrei eingerührt.

Nun wird die Temperatur auf 66-67°C gehalten und alle 10-15 Minuten umgerührt (damit sich unten auf der Heizplatte kein Malz anlegt). Nach 90 Minuten wird die Maische auf 76° erhitzt und anschließend sofort ausgeschaltet.

Läutern

Dauer: ca. 30 Minuten (theoretisch)

Zubehör:

  • Läutersieb (Plastikkübel mit Löchern)
  • Punschkocher
  • Gärfass
  • Messbecher
  • Schöpflöffel
  • “Drahtwaschl”

Zum Läutern muss das Läutersieb (in unserem Fall ein Kübel mit vielen kleinen Löchern) in das Gärfass. Da es nicht genau gepasst hat, haben wir es mit zwei Kochlöffeln und etwas Draht befestigt. Zuerst wird das Malz (ohne zu viel Flüßigkeit) mit einem Schöpflöffel aus der Maische ins Sieb gegossen. Das Malz bildet dann eine Art Filter. Mit dem Messbecher wird dann langsam die Flüßigkeit über das Malz gegossen.

Nun werden 20 Minuten Läuterruhe eingelegt. Diese Zeit haben wir zum Punschkocher putzen genutzt.

Nebenbei kann man schon mal den “Nachguss” vorbereiten, das sind in unserem Rezept 16 Liter Wasser, die auf 76° erhitzt werden.

Nach der Läuterruhe  öffnet man den Hahn vom Gärfass und lässt den Vorlauf vorsichtig in einen Messbecher laufen. Diesen leert man nun immer wieder über den Treber. Um das so vorsichtig wie möglich zu machen eignet es sich, die Flüßigkeit über einen umgedrehten Schöpflöffel zu leeren, damit sie etwas verlangsamt wird.

Um in einem der nächsten Schritt möglichst wenig feste Bestandteile mitzunehmen, haben wir an der Innenseite des Punschkochers einen Drahtwaschl angebracht. Dieser soll als Filter fungieren.

Jetzt können wir schon mit dem Abläutern beginnen. Dabei wird die Würze (so nennt man die Flüßigkeit, die nun im Gärfass ist), wieder in den Punschkocher umgefüllt. Am einfachsten hat es für uns mit einem lebensmittelechten Schlauch funktioniert.

Dabei muss man immer wieder mit dem vorbereiteten Nachguss (die 16 Liter von zuvor), nachgießen. Der Treber sollte dabei immer bedeckt sein (das haben wir nicht ganz geschafft). Wenn der Treber das Sieb verstopft, soll man mit einem (abgekochten!) Messer einschneiden, allerdings nicht zu wild umrühren. 

Am einfachsten lässt man die Flüßigkeit von oben in den Punschkocher fließen.

Hopfenkochen

Zubehör:

  • Punschkocher (mit Würze)
  • Durchlaufkühler
  • großer Kochlöffel

14:55h – eeeetwas später als gedacht kommt es endlich zur ersten Hopfengabe. In diesem Schritten werden 66g Hopfen vorsichtig (d.h. nicht alles auf einmal hinein werfen) in die wallende Würze gegeben.

Der Sud wird nun 90 Minuten ohne Deckel wallend gekocht. In der Zwischenzeit haben wir den Läuterbottich (unser grünes Gärfass) vorbereitet. Wenn 75 Minuten der 90 Minuten Kochzeit verstrichen sind, erfolgt die zweite Hopfengabe (die restlichen 34g). Wenige Minuten vorm Ende haben wir Irish Moss dazu gegeben, das soll helfen die Schwebeteilchen zu binden damit das Bier klarer wird.

Nun wird der Kocher ausgeschaltet und mit einem großen Kochlöffel ein “Whirlpool” (gleichmäßig in eine Richtung rühren) erzeugt. Nach einer Ruhezeit von 20 Minuten (mit geschlossenem Deckel) haben wir ein Messglas befüllt und abkühlen lassen. Damit wird später die erste Würzemessung durchgeführt (wir haben 11° Plato gemessen).

Da die Temperatur der Würze noch sehr hoch ist, muss diese (schnellst möglich) auf Raumtemperatur abgekühlt werden. Wir verwendeten hierzu einen Plattenwärmetauscher und kaltes Leitungwasser. Mit diesem Aufbau konnten wir das “Bier” in wenigen Minuten kühlen. Weil wir zuvor den “Drahtwaschl” im Punschkocher angebracht haben wurde beim Ablassen der Würze der Hopfen zurück gehalten (somit konnten wir kühlen und Hopfenseihen im selben Schritt erledigen).

Unser Kühlaufbau.

Wenn man keinen Plattenwärmetauscher zur Verfügung hat muss man sich mit Eiswasser oder Schnee in der Badewanne behelfen, dies dauert jedoch einige Stunden. Dabei steigt die Gefahr einer Verunreigung.

Gärung & Flaschengärung

Im nächsten Schritt haben wir das Fass in den Keller gebracht (ca. 12°C). Erst dort kommt die Hefe in den Sud. Mit einem Schopflöffel wird der Sud mehrmal aufgezogen um die Hefe einzumischen. Man sollte laut verschiedener Anleitungen an dieser Stelle “Gott gebe Glück und Segen drein!” sagen, doch wir haben uns auf die Hefe verlassen 😉

Da wir nach wenigen Tagen noch keine Gärung bemerkten, haben wir das Fass für 2 Tage in einen wärmeren Raum gestellt. Danach hat es brav im Keller weiter gegärt.

Nach der Fassgärung (ca. 10-14) hat das Bier noch kaum Kohlensäure, da im Gärfass natürlich kein Druck herrscht. Um nun das angenehme Prickeln in unser Getränk zu bekommen, haben wir das Bier in Flaschen abgefüllt und der Hefe ein bisschen Nahrung in Form von Kristallzucker gegeben. Nach weiteren 3 Wochen konnten wir unser Selbstgebrautes endlich kosten!

Fazit

Es dauert viel länger als man anfangs glaubt! Ich bin mir sicher, dass es beim zweiten, dritten Mal nicht mehr so ist, aber von den angegeben 4 Stunden waren wir weit entfernt. Ein paar Sachen sind dann doch anders als man glaubt und man muss mehrmals nachlesen. So sind wir wahrscheinlich auf eher 7 Stunden gekommen.

Gut geputzt ist halb gebraut – oder so 😉 Man verbringt echt viel Zeit mit Putzen und Reinigen. Denn man will dann irgendwie auch nicht, dass es daran scheitert, dass man zu faul war den Messbecher schon das x.te Mal mit dem Spezialreiniger zu putzen. 

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen und schmecken lassen! – ja, was soll ich noch mehr sagen, wir sind zufrieden 🙂

Quellen

Wie oben schon erwähnt haben wir uns die Infos aus mehreren Quellen zusammen gesucht und so kombiniert wie es uns am logischsten erschien. Das waren unsere Hauptinformationsquellen:

Die Zutaten und das Zubehör großteils von https://www.hobbybrauerversand.de/

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